„die.drei“

Titel: „die.drei“
Jahr: 2015
Maße: 82 cm x 123 cm
Material: verschiedenste Stoffe, Garne und Wolle, häufig handgefärbt, Spitze, Knöpfe, Reißverschluss usw.
Technik: Art-Quilt, Stickerei in verschiedenen Stichen, verschiedenste Textilbearbeitungen wie z. B. smoken, raffen, fälteln, außerdem log cabin maschinengenäht, handgequiltet

„die.drei“, gleichermaßen Titel wie Inhaltsangabe: drei Grundformen, drei Grundfarben, drei Techniken

 

Diese Arbeit entstand für meine erste Einzelausstellung in Köln, im Mai 2015 in der Flora.

Auf der schon beschriebenen ersten Ebene habe ich „die.drei“, die drei Techniken personifiziert, sie haben Gestalt angenommen, wenngleich auch anonym. Sie haben Körper und Köpfe, aber keine Gesichter und sie sind geschlechtslos.

Schaut der interessierte Zuschauer genauer hin, erkennt er, dass auch hier die verwendeten Techniken, die Stoffe, Garne, Wollfäden und anderen Zutaten eine Bedeutung haben, einen Sinn machen.

VLUU L100, M100 / Samsung L100, M100

Die gelbe Figur stellt das sticken dar; auf ihr finden sich alle sieben Stickstiche.

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Die rote Figur steht für das textile Gestalten mit u. a. Fältelungen, Raffungen, smoken und natürlich auch häkeln und stricken.

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Die blaue Figur schließlich ist das personifizierte quilten; sie enthält einen kleinen log cabin-Block und andere Quadrate.

Alle Figuren tragen zwar einen Hut und stehen auf einem festen Fuß, sind also in ihrer Position definiert und begrenzt, aber die jeweiligen Farben fließen ineinander über gleich den verwendeten Techniken.

Die dritte Ebene ist auch bei dieser Arbeit eine autobiographische. Jedes Stück Stoff, jeder Knopf oder Reißverschluss, alles hat für mich eine persönliche Bedeutung. So ist dieses Werk zu einer Art von Inhaltsangabe der Bandbreite meiner Arbeiten geworden.

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„black diamond“

Titel: „black diamond“verschenkt
Jahr: 2015
Maße: 180 cm x 120 cm
Material: verschiedenste Stoffe, Nähgarn
Technik: quilt-as-you-go, Maschinen- und Hand-Stickerei

ein Quilt zum Abschied für eine Freundin in schwarz und weiß

 

Im vorigen Jahr eröffnete mir eine langjährige Freundin, dass sie in einem Jahr, also dieses Jahr im September, zu ihrem Vater nach New York auswandert, für immer.

Nachdem ich mich von dem Schock erholt hatte, war es schnell klar: Zum Abschied und für ihr neues Leben möchte ich ihr etwas mitgeben. Etwas, das sie an mich erinnert, in guten und in schlechten Tagen, an heißen Sommertagen und im kalten New Yorker Winter, ein Quilt eben.

Und da das nun mal keine „Kleinigkeit“ ist, fragte ich sie vorsichtshalber, ob sie denn einen Quilt haben möchte. Die Zustimmung war groß. Auch bei der Wahl des Musters und der Materialien waren wir uns schnell einig. Wir mögen beide keine typischen Quiltstoffe. Da fehlt uns die unterschiedliche Haptik. Daher haben wir überwiegend Baumwollstoffe ausgewählt, etwas Wolle und einen Seidenmoirée für die Stege. Für die Rückseite suchten wir schwarzen Babycord aus und statt Vlies habe ich schwarzen Molton verwendet. So wurde der Quilt weich, anschmiegsam und doch warm.

Lediglich die Auswahl der Farben gestaltete sich schwierig. Sie wünschte sich uni schwarz und ich war strikt dagegen. Das wird einfach nicht lebendig. Schließlich haben wir uns auf 60 % schwarz, 20 % weiß und 10 % petrol, neben schwarz ihre zweite Lieblingsfarbe, geeinigt. Für die restlichen 10 % schlug ich gelb, pink oder lila vor. Ihr gefiel gold besser. So fanden kleine und kleinste Stücke aus dem Nachlass einer Textilwerkstatt eines Benediktine­rinnenklosters in Arnheim endlich eine Verwendung. Man soll doch nichts wegwerfen!

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Als Muster bevorzuge ich die quilt-as-you-go-Technik, da ich eine winzige Wohnung habe und so etwas auch in der kleinsten Hütte Platz findet. Und bis zu einem gewissen Stadium kann man das auch gut mitnehmen. Jeden Morgen im Bus nähte ich einen Steg auf der Rückseite von Hand an. So wuchs das gute Stück zügig.

Den Titel „black diamond“ in Anlehnung an die Quadrate des Musters und die Hautfarbe meiner Freundin ließ ich maschinell sticken und fügte den Streifen in das Muster ein. Ja, und wie meistens habe ich dann auch noch mein Wappentier versteckt: eine Maus. Sie ist knapp 2 cm groß, mit feinsten Stichen handgestickt und stiehlt sich grinsend von dannen…

Im September fliegt meine Freundin nach New York. Dann wird sie sich das erste mal mit dem Quilt zudecken. Im Flugzeug ist es ihr immer zu kalt, hat sie gesagt. Und im Sommer, wenn es in New York zu heiß dafür wird, kann sie ihn an die Wand hängen. Vielleicht denkt sie dann mal an mich…

In der Mitgliederzeitschrift Nr. 120 der Patchworkgilde Deutschland e. V. vom September 2015 wurde dieser Text im Rahmen einer Serie über Quilts in Schwarz und Weiß veröffentlicht.

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3_blaue Steine

„les Pierres Bleues“

Titel: „les Pierres Bleues“verschenkt
Jahr: 2014
Maße: 190 cm x 210 cm
Material: verschiedenste Baumwollstoffe
Technik: quilt-as-you-go, Stickerei in Nadelmalerei

Ein Geschenk an liebe Menschen in Süd-Frankreich für liebevolle Fürsorge am Jakobsweg und bei meiner Ausstellung

 

Mein Jakobsweg führte mich auch durch Südfrankreich, genauer gesagt, durch die Auvergne und nach Le Puy. Am Tag vorher übernachtete ich in einem winzigen Dorf von gefühlten fünf Häusern und einer Pension mit nur drei Zimmern. Aber was für eine Pension! Sie wird von Annie und Jean-Pierre Lorrain geführt, sie Deutsche und nach 30 Jahren in Frankreich immer noch eine gute deutsche Hausfrau, er Franzose. Da habe ich auf meinem Weg mal so richtig gut geschlafen, geschlemmt und tief durchgeatmet.

„Les Pierres Bleues“, das sind die blauen Steine, aus denen dieses ehemalige Bauernhaus gebaut ist, ein in der Gegend typischer Basalt, nicht kaputt zu kriegen. Diese Steine haben dem Haus und dem Quilt den Namen gegeben.

Einige Jahre später war ich wieder dort, um in der nahe gelegenen „bibliotheque“ eine Ausstellung zu eröffnen. Annie war so freundlich, bei der Vernissage für mich zu dolmetschen. Nadel und Faden sind mir halt vertrauter als Französisch. Als dann von den anwesenden Gästen eine Frage zum quilten gestellt wurde, sah ich Annies ratlosen Blick. Ein Quilt, was ist das denn? Ich habe die Antwort überspielt und mich zuhause direkt an die Arbeit gemacht. Drei Monate später war der Quilt dann bei ihr, heute hängt er unter dem Dach der Tenne und jeder kann ihn sehen, auch in einem Video unter les-pierresbleues.fr.

Und wenn Sie mal hinfahren sollten, bestellen Sie bitte ganz liebe Grüße von mir …

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Quilt Ulla Hoppe

„my Canterbury tales“

Titel: „my Canterbury tales“
Jahr: entstanden zwischen 2007 und 2010
Maße: 201 cm x 153 cm
Material: verschiedenste Baumwollstoffe und Leinen, große Variation von Garnen
Technik: Blöcke und Rand in verschiedensten Techniken gestickt, maschinengenäht, handgequiltet

 

“Whan that Aprille, with hise shoures soote,
the droghte of March hath perced to the roote
and bathed every veyne in swich licour
Of which vertu engendred is the flour;
Whan …”

Die Übersetzung lautet ungefähr so:

„Wenn es Frühling wird und die Säfte steigen, juckt es den Pilger in den Füßen und dann geht er los …“. Mir geht es genauso.

Der Text, das ist der Anfang des Prologs der Canterbury tales und genau so viel davon habe ich auf den umlaufenden Rand gestickt.

Die „Canterbury tales“, das sind Erzählungen aus dem 14. Jahrhundert, die von Geoffrey Chaucer von ungefähr 1387 an geschrieben wurden. Zwei von ihnen sind in Prosa, die übrigen in Versen verfasst. Die Erzählungen, von denen nicht alle als Original gelten, sind in eine Rahmenhandlung eingebunden, die von einer Pilgergruppe auf ihrem Weg von Southwark, einem Vorort von London, nach Canterbury handelt, wo sie das Grabmal von Thomas Becket in der Kathedrale von Canterbury besichtigen wollen. Der Wirt des „Tabard Inn“ schlägt den dreißig Pilgern vor, auf dem Hin- und Rückweg je zwei Geschichten zu erzählen, mangels Radio und Fernsehen damals die gängige Abendunterhaltung. Und er verspricht dem besten Erzähler als Preis eine Gratismahlzeit. Dass die übrigen Reisenden dann auch bei ihm einkehren werden, damit hat er sicherlich auch gerechnet. Recht geschäftstüchtig, wie ich meine.

Pilgern, das war das Wandern im Allgemeinen und Reisen einschließlich Sightseeing im Besonderen der damaligen Zeit. Und es ging zu Fuß, normalerweise, nur „betuchte“ Zeitgenossen konnten es sich leisten zu reiten oder gar mit einer Kutsche zu fahren.

Pilgern, das ist heute wieder „in“, wie man sagt. Spätestens seit Hape Kerkeling sagte: „Ich bin dann mal weg!“, geht alle Welt wieder auf Pilgertour, gerne auch nach Santiago di compostela in Spanien. Der Pilgerweg dahin war mir seit den 1970er Jahren bekannt und ich habe lange warten müssen, bis es meine persönliche Situation erlaubte, diesen Weg anzutreten. 2007 war es endlich soweit. In fünf jährlichen Etappen habe ich die rd. 2.500 km von meiner Haustüre bis nach Finisterre am Meer zurückgelegt. Und immer im Gepäck dabei: eine Stickerei.

Aus vielen kleinen Teilen ist dann irgendwann dieser Quilt entstanden. Ich habe alles verarbeitet, das mir in die Finger fiel, zumindest größtenteils aus Baumwolle und im Untergrund weiß war. Da finden sich ein Probelappen von maschinengenähten Knopflöchern, ein Taschentuch meines Vaters, Musterstücke für Bettwäsche, usw., usw. Gestickt habe ich in gelb und in allen Stichen und Techniken, die mir nur so eingefallen sind, teils nach Vorlagen, größtenteils aber wie immer ohne, so aus der Hand.

Für den umlaufenden Text habe ich eine Schrift verwendet, die an die Zeit der Entstehung der Geschichten erinnert: Old English Text MT, wie früher mit einem Federkiel geschrieben und das melierte Garn lässt an vergilbte alte Handschriften denken.

Die Rückseite besteht aus einem alten Leinen-Betttuch, das ich auf die Vorderseite umgeschlagen habe. An der Oberkante habe ich Langettenbögen gearbeitet, so wie an den alten Umschlaglaken unserer Großmütter.

Wenn ich heute diesen Quilt betrachte, bekomme ich gleich gut Laune.

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„ringsherum gefunden“

Titel: „ringsherum gefunden“
Jahr: 2007
Maße: 122 cm x 77 cm
Material: diverse Stoffe, teils handgefärbt und -bemalt, Perlen, Pailletten, Fundstücke, verschiedene Garne
Technik: vereinfachter log cabin, maschinengenäht, maschinengequiltet, Applikation, Stickerei

Dieser Quilt ist das Ergebnis eines Workshops mit dem Titel „ringsherum“. Ich fügte für mich noch „gefunden“ hinzu und das war dann gleichzeitig Titel und Aufgabenstellung für mich.

 

Die Aufgabe bestand darin, die einzelnen Blöcke nicht nur durch Stege und Nähte, sondern vor allem auch durch verbindende Elemente zu einer Einheit zusammenzufügen.

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Diese Aufgabe habe ich aber nicht nur durch eine geeignete Stoffwahl und weitere gestalterische Elemente wie z. B. Stickstiche und Applikationen von Fundstücken, sondern auch durch die gegenläufige Bewegung einer Hell-Dunkel-Wirkung in Rand und Binding gelöst.

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„blau trifft grün“

Titel: „blau trifft grün“
Jahr: 2007
Maße: 50 cm x 75 cm
Material: diverse Stoffe
Technik: Streifentechnik, maschinengenäht und -gequiltet

eine kleine Materialprobe für einen größeren Quilt, der dann doch nicht entstand

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„die Quadratur des Kreises“

Titel: „die Quadratur des Kreises“
Jahr: 2005
Maße: 145 cm x 145 cm
Material: Baumwolle, in eigener Technik bearbeitet, Viskose
Technik: Blöcke aus regelmäßig wiederkehrenden Elementen, maschinengenäht, handgequiltet

eine Reminiszenz an Leonardo da Vinci

 

Die Proportionszeichnung von Leonardo da Vinci mit dem Titel „der Vitruvmann“, besser bekannt als „die Quadratur des Kreises“, hat mich schon als Kind fasziniert. Später entdeckte ich meine Liebe für die Renaissance und wieder für da Vinci.

Dieser Quilt mit seinen künstlich abgeschabten Stoffen, die an ein ausgeblichenes Pergament erinnern sollen, ist einerseits meine Sicht auf die Renaissance, wie sie sich langsam als Idee verbreitet, dargestellt durch die lila Einsätze, langsam ausbreitet, im Rand schon deutlicher wird, um auf der Rückseite die ganze Fläche einzunehmen. Andererseits ist auch hier die Quadratur des Kreises gegeben, selbst das Innere des Kreises besteht wiederum bei genauerem Hinsehen aus Quadraten.

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„2. Chance“

Titel: „2. Chance“
Jahr: 2010
Maße: 40 cm x 40 cm
Material: verschiedene Stoffe, Garne, textile Elemente, Fundstücke
Technik: freie Quilttechnik, Applikation, maschinengenäht, mit Stickerei gequiltet

eine kleine Quiltarbeit für eine Ausschreibung der Patchworkgilde e. V. in 2010

Der Quilt wurde 2010 auf der Ausstellung „Nadel und Faden“ in Osnabrück gezeigt.

 

Die Aufgabenstellung der Gilde bestand in freier Quilttechnik bei einer Verwendung von 90 % grau und 10 % einer Farbe nach eigener Wahl. Ich entschied mich für grün. In diesen Farben habe ich wie so häufig eine textile Geschichte erzählt, diesmal von Konfektionsgröße 36 bis 44, wie das Leben halt so ist …

Und natürlich ist auch hier eine Maus versteckt.

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„wilder Mohn“

Titel: „wilder Mohn“
Jahr: 2006
Maße: 49 cm x 40 cm
Material: diverse Stoffe, Stickgarne
Technik: Streifentechnik, Applikation, maschinengenäht und -gequiltet

Dieser kleine Quilt entstand in einem Workshop mit P. McLaughlin, von der auch die Vorlage stammte.

 

Auch diese Arbeit lebt von den Hell-Dunkel-Kontrasten ihres Hintergrunds. Zusammen mit der entsprechenden Auswahl der Applikationsstoffe entstehen Tiefe und Ausdruck.

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„Shila’s Zick-zack“

Titel: „Shila’s Zick-zack“
Jahr: 2007
Maße: 56 cm x 36 cm
Material: verschiedene Stoffe, Garne und Spitzen, Perlen und Knöpfe, zwei afghanische gestickte Quadrate
Technik: Streifentechnik, Applikation, maschinengenäht, mit Stickstichen gequiltet

Mein erster Kontakt mit den handgestickten Quadraten afghanischer Frauen hat mich sofort zu dieser Arbeit angeregt.

 

Seit meiner ersten Begegnung – ich weiß nicht mehr, wann und wo – mit diesen Quadraten war ich, die ich doch meist mehr sticke als quilte, von der Präzision der Stickerei und der leuchtenden Farbigkeit dieser kleinen, liebevollen Arbeiten fasziniert. Grund genug, einige zu erwerben und direkt zwei davon in einen Quilt einzuarbeiten. Dabei habe ich das Zick-zack-Motiv nicht nur aufgegriffen, sondern auch zum Titel gemacht: Die kleinen Quadrate waren jeweils auf eine Pappe getackert, die mit einem Namen versehen waren: Shila. So entstand der Titel.

Aber auch das Zick-zack-Muster taucht immer wieder auf, im Zuschnitt einzelner Stücke, in der Form von Knöpfen, in Zackenlitze, in der Anordnung von aufgenähten Perlen, im Binding und – nicht zuletzt als besondere Reminiszenz an die Stickerin – in den Stickstichen, mit denen ich gequiltet habe. Das Binding greift die Farben der Umrandung der beiden Quadrate auf – rot und schwarz – und auch der Schleier findet seine Entsprechung in transparenten, aufgelegten Stoffen und Perlenfransen, die häufig eine Burka, den afghanischen Schleier, schmücken.

Und ich habe noch mehr von diesen Quadraten, die auf eine Verarbeitung warten, u. a. eines in weiß, meiner absoluten Lieblingsfarbe. Das habe ich damals extra bestellt und ich habe mich überaus gefreut, dass meiner Bitte entsprochen wurde. Mal sehen, was daraus wird …

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