9_diary

„my diary“

Titel: „my diary“
Jahr: ständig in Arbeit
Maße: noch nicht bekannt
Material: Leinen, Baumwoll-Sticktwist
Technik: verschiedenste Stiche

mein Reisebegleiter auf allen meinen Wandertouren

 

Wenn ich so auf Wandertour gehe und nach einem mehr oder weniger langen Tag in meiner Unterkunft ankomme, spielt sich fast immer dasselbe Prozedere ab: duschen, Klamotten waschen und aufhängen für den nächsten Tag, nach Möglichkeit aufwärmen im Bett, damit ich keinen Muskelkater oder gar eine Zerrung bekomme. Das passiert zum Glück nur sehr selten.

Und dann, ja dann kribbeln meine Hände und rufen nach Arbeit. Sie haben sich den ganzen Tag so gut wie nicht bewegt und wollen jetzt etwas zu tun haben. Und dann sticke ich …

Diese Stickerei besteht zum Teil aus den Restfäden der Arbeit „Highway to Hell“ und wiegt einschließlich Garnen, Stoff und Rahmen gerade mal 120 Gramm. Das kann immer mit.

Abends eine Arbeit zu haben, ein Tagebuch, in dem ich sticken kann, das ist eine gute Sache für mich. So kann ich Gedanken, Gefühle und Stimmungen festhalten und manchmal – falls notwendig – auch verarbeiten. Und wenn es augenscheinlich auch völlig abstrakt wirkt, für mich hat jede der kleinen Farbflächen eine Bedeutung. Nahezu zu allen Teilen erinnere ich mich daran, was da war, wo ich war …

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„www.polypack.org“

Titel: „www.polypack.org“
Jahr: 2013
Maße: 24 cm x 16,5 cm
Material: Fundstück, Leinen, Vierfachgarn
Technik: Applikation, Fliegenstich

ein Fundstück aus Plastik, das mit schlichter schwarzer Stickerei in Szene gesetzt wurde

 

Bei einem meiner Spaziergänge fand ich dieses Plastikteil, dessen Sinn oder Verwendung mir nicht bekannt war. Aber es interessierte mich doch. Und die Form der Zacken hat mich zu dieser kleinen Studie in Fliegenstich inspiriert.

Mittlerweile habe ich durch Zufall herausgefunden, dass mit solchen Plastikteilen beim sog. „Hängendversand“ mehrere Kleiderbügel beim Transport zusammengehalten werden. Wieder was gelernt …

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„Steinberg’s teatime“

Titel: „Steinberg’s teatime“
Jahr: 2013
Maße: 18 cm x 23 cm
Material: Seidenleinen, französisches Nähmaschinen-Stickgarn, Perle, Federn, Spitze
Technik: graphische Schwarzstickerei, Applikationen

nach einer Zeichnung von Saul Steinberg, rumänisch-amerikanischer Zeichner und Karikaturist, * 1914 in Rumänien, † 1999 in New York/USA

Ich liebe und bewundere seine Abstraktionen.

 

Als ich zu einer Lerneinheit bei der Royal School of Needlework in London war und gerade das blackwork lernte, stickte eine Klassennachbarin von mir an einem Tier aus dem Zoo: ein Katta. Das ist eine Lemurenart, die in Madagaskar zu Hause und durch ihren schwarz-weiß geringelten Schwanz unverwechselbar ist.

Zwischen meiner Nachbarin und mir entspann sich nun eine Diskussion darüber, ob die weißen Teile des buschigen Ringelschwanzes im Gegensatz zu den schwarzen – gestickten – Teilen einen Rand, eine Begrenzung bekommen müssen, oder ob das besser weg bleibt. Da wir uns nicht so ganz im Klaren waren, wie die Schule das beurteilt, wurde der diensthabende Lehrer zu Rate gezogen, Owen Davis. Und wir kamen alle zusammen zu dem Schluss, dass die weißen Teile keinen Rand benötigen, ja nicht einmal haben sollten. Der würde nur stören. Denn dieses geniale Zusammenspiel aus Sehen der Augen und Erinnern des Gehirns, das macht das schon. Und das nennt man dann wohl Abstraktion.

Owen regte an, dieses Thema mal durchzudenken, vielleicht zu einer Hausarbeit zu machen. Das habe ich gerne aufgegriffen. Und das ist das Resultat:

Dass da eine Frau abgebildet ist, erkannt man an einem Hütchen mit Perle und Federn, dem blitzenden Spitzenunterrock, den spitzen Schuhen. Dass es sich darüber hinaus um eine „feine Dame“ handelt, zeigt unverwechselbar ein abgespreizter kleiner Finger an der Teetasse, überhaupt die elegante Haltung von Kopf bis Fuß. Das Ganze ist mit wenigen Stichen und nur zwei Applikationen in Szene gesetzt.

Das ist eines meiner liebsten Bilder in graphischer Schwarzstickerei und fand bei der ersten öffentlichen Präsentation sofort einen Liebhaber, der es kaufte.

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„Gruau je t‘aime“

Titel: „Gruau je t‘aime“
Jahr: 2013
Maße: 35 cm x 25 cm
Material: Seidenleinen, Baumwolltwist, Vierfachgarn, Textilfarbe, vliesofix
Technik: graphische Schwarzstickerei, Nadelmalerei, Schichtung

nach einem Werbeplakat des italienisch-französischen Modezeichners René Gruau für einen Lippenstift aus dem Haus Dior mit dem Titel „le baiser rouge“ (der rote Kuss)

 

René Gruau, italienisch-französischer Modezeichner der Extra-Klasse, hauptsächlich tätig für das Traditionshaus Dior

Während ich an der Royal School of Needlework lernte, gab es eine Vorankündigung zu einer Ausstellung mit Werken von Gruau in einem Museum in London. Leider habe ich diese Ausstellung nicht mehr sehen können, aber bei dieser Gelegenheit habe ich mich noch einmal ausführlich mit seinen Arbeiten beschäftigt und versucht, hinter das Geheimnis seines Erfolgs zu kommen. Auch er hat sehr viel mit Abstraktion gearbeitet. So hat er zum Beispiel bei diesem Werbeplakat für einen Lippenstift, das die Vorlage zu meiner Arbeit lieferte, alles Augenmerk auf die Lippen gelegt. Und um nicht vom Ausdruck der Augen abzulenken, die sonst häufig im Vordergrund stehen, hat er der Dame die Augen verbunden.

Diese Gestaltungsmerkmale habe ich aufgegriffen und den Kussmund in leuchtenden Rottönen in Nadelmalerei gestickt. Der Stoff der Augenbinde wird durch die nicht ganz flächendeckende Bemalung des vliesofix abgebildet. Bei der Stickerei der übrigen Konturen habe ich deutlich zwischen den Haaren einerseits und Gesicht und Hals andererseits unterschieden: Die Haare sind einzeln zu unterscheiden und die Haut ist glatt. Auch an dieser Stelle lässt sich mit der gezielten Platzierung der Stickstiche ein Ausdruck erzielen.

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„Ihrer Hühner waren drei …“

Titel: „Ihrer Hühner waren drei …“
Jahr: 2015
Maße: 20 cm x 40 cm
Material: handgewebtes Bauernleinen, Vierfachgarn, Textilfarbe
Technik: Malerei, graphische Schwarzstickerei

Erinnern Sie sich noch an „Max und Moritz“ von Wilhelm Busch? Genau, es waren drei, und ein stolzer Hahn dabei. So schreibt Wilhelm Busch.

 

Diese Bildgeschichte von Wilhelm Busch – und die von Max und Moritz sogar im Original – wurde unter anderem im Schloss Oberhausen anlässlich 150 Jahren deutsche Comics gezeigt. Es war ein beeindruckender Spaziergang durch die Geschichte der Comics, als deren deutscher Begründer Wilhelm Busch angesehen wird.

In diesem Fall hat die Stickerei einen gemalten Hintergrund erhalten, der den Hühnern eine Basis, eine Bühne bildet, auf denen sie picken und scharren …

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„QR-Code“

Titel: „QR-Code“
Jahr: 2013
Maße: 26 cm x 21 cm
Material: Leinen, Vierfachgarn
Technik: Kreuzstich

Diese Stickerei begleitet mich zu jeder Ausstellung. Daneben hängt dann folgende Aufforderung an die Besucher:

„Nehmen Sie Ihr Smartphone zur Hand und entschlüsseln Sie den Code. Sie werden staunen!“

 

Schon seit geraumer Zeit begleiten sie unseren Alltag: Codes, Balkencodes und seit Neuerem auch QR-Codes. Sie sind überall, auch wenn uns das vielleicht gar nicht so auffällt.

Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung habe ich mich damit auseinander gesetzt und die schwarzen Flächen mit Kreuzen eines Kreuzstichs gefüllt, interpretiert. Die Spannung während des Stickens war riesig. Klappt es, oder klappt es nicht? Es hat geklappt, damals und immer wieder. Man kann tatsächlich den gestickten Code mit dem Smartphone entschlüsseln.

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Texten, Sprüchen, die ich gestickt habe, und für die ich auch die gedruckten Vorlagen vertrieben habe. Aber auch persönliche Texte, meist Glückwünsche, wurden und werden nach wie vor auf Anfrage in Vorlagen umgesetzt.

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„crewelwork“

Titel: „crewelwork“
Jahr: 2010
Maße: 36 cm x 27 cm
Material: Leinentwill, Stickwolle
Technik: Jakobinische Wollstickerei,  verschiedene Stickstiche

Prüfungsarbeit Royal School of Needlework im Fach „crewelwork“

 

Crewelwork oder Jakobinische Wollstickerei kam zur Zeit von Elisabeth I. in Mode. Der noch weit ältere „Teppich von Bayeux“ ist auch in dieser Tradition zu sehen. Damals waren die Garne natürlich noch mit Pflanzenfarben gefärbt und man stickte wie heute auf Leinentwill, einem Material von ähnlich dichter Webart wie unsere Jeans heute. Damals wurden damit hauptsächlich Vorhänge für Betten gestaltet, Wandschirme bezogen und die in dieser Zeit nur für die absolut Reichen erschwinglichen Spiegel eingefasst.

Als Motiv finden sich auf den heute noch erhaltenen Arbeiten hauptsächlich ein zentraler Stamm oder Stiel, Hügel, Blumen, Blätter und Tiere. Das beliebteste Motiv war der Lebensbaum. Dabei kam es absolut nicht auf das richtige Größenverhältnis zueinander an, wichtig waren die weiche Linienführung, die harmonische Schattierung und die richtige Wahl der Stickstiche. Die Anforderungen der absolut traditionellen Royal School of Needlework, an der ich mein „Certificate“ erworben habe, sind noch dieselben wie damals. Und es wurde darüber hinaus Wert darauf gelegt, möglichst viele verschiedene Stiche zu benutzen. Ich habe es auf stolze 26 verschiedene Stiche gebracht.

Erlaubt waren zwei Farben in allen ihren Abstufungen und Schattierungen – ich habe rosa und blau gewählt -, eine Akzentfarbe – bei mir gelb – und natürlich grün und braun für die Natur. So habe ich trotz der strengen Vorgaben meine drei Farben einbringen können.

Der Ton, wenn der Faden durch das Gewebe gezogen wird, ist nach wie vor Musik in meinen Ohren und unvergesslich für mich.

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„silk shading“

Titel: „silk shading“
Jahr: 2010
Maße: 25 cm x 21 cm
Material: Seide, Baumwolltwist
Technik: Nadelmalerei

Prüfungsarbeit Royal School of Needlework im Fach „silk shading“

 

„Silk Shading“ oder zu Deutsch „Nadelmalerei“ ist wohl neben der Goldstickerei eine der Königsdisziplinen für jeden Sticker. Entsprechend aufwändig sind die Vorbereitungen. Das Motiv wurde aus einer größeren Auswahl getroffen und dann genehmigt. Diverse Vorzeichnungen wurden angefertigt für Reihenfolge und Aufbau, dann in Farbe für den richtigen farblichen Eindruck und schließlich danach mit sehr viel Bedacht das Stickgarn gewählt: 18 verschiedene Farben.

Und obwohl die Nadelmalerei zu den Geradstichen zählt, die doch eigentlich eher einfach sind, hat sie ihre Tücken. Darüber hinaus ist sie überaus zeitintensiv. Man rechnet pro Arbeitstag von sechs Stunden lediglich eine Fläche von einem einzigen Quadratzentimeter. Ich habe für diese Mohnblüte ungefähr 170 Stunden benötigt.

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„goldwork“

Titel: „goldwork“
Jahr: 2011
Maße: 25 cm x 25 cm
Material: Seide, diverse Goldfäden, goldfarbenes Näh- und Baumwollgarn, Filz
Technik: Goldstickerei

Prüfungsarbeit Royal School of Needlework im Fach „goldwork“

 

Goldwork, Goldstickerei, schon seit jeher ein ausgesprochener Luxus, sowohl vom Material her als auch von der Stickerei, war viele Jahrhunderte lang nur dem Adel und der Kirche vorbehalten und wurde für  Posamenten und Paramente liturgischer Gewänder verwendet.

Dabei wird nicht direkt mit den Goldfäden gestickt, dazu sind sie meistens zu dick. Vielmehr werden sie in Anlegearbeit oder Aufheftarbeit mit goldfarbenem Nähfaden auf den Trägerstoff aufgebracht. Häufig wird die Goldstickerei zusätzlich mit Pailletten, Edelsteinen, Perlen, Glasperlen oder Metallfolien verziert. Darüber hinaus wird die Stickerei häufig unterlegt und aufgefüttert. So wird sie dreidimensional und durch die verstärkte Lichtbrechung noch beeindruckender. Heutzutage wird dafür gelber Filz oder gewachster Baumwollfaden verwendet, früher benutzte man dafür oft Holz oder sogar trockenes Brot. Auch die Historie dieser Stickerei war überaus interessant für mich.

In diese erhabene und erhebende Welt der Stickerei aus alten Zeiten tauchte ich in der Royal School of Needlework in London mit großem Respekt ein. Diesen Respekt habe ich sehr schnell verloren, denn es machte mir – wider Erwarten – riesigen Spaß und gelang mir auf Anhieb.

Und auch hier wurde mir etwas erlaubt, was mir bei allen Stickereien am Herz liegt. Ich versuche immer, sie mit neuen Inhalten und Themen am Leben zu erhalten.

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„blackwork“

Titel: „blackwork“
Jahr: 2012
Maße: 34 cm x 34 cm
Material: Leinen, diverse Stickgarne in verschiedenen Stärken und Materialien
Technik: blackwork (traditionelle Schwarzstickerei)

Prüfungsarbeit Royal School of Needlework im Fach „blackwork“

 

Blackwork im traditionellen Sinne, das sind unendlich viele verschiedene, kleine Müsterchen, alle immer über zwei Gewebefäden gestickt. Trotz der Begrenzung auf diese Muster kann man der Darstellung durchaus Tiefe verleihen, indem man mit verschieden starken Garnen stickt und so die Flächen dichter, dunkler werden lässt, in den Hintergrund treten lässt, oder das Muster wird „aufgebrochen“, wie man sagt. Dabei lässt man immer mehr Stiche weg, erst einzelne, später immer mehr, die Stelle wird heller, tritt in den Vordergrund. So entsteht Tiefe.

Nachdem ich leider aus gegebenen Gründen den Dom nicht in traditionellem blackwork sticken konnte (siehe Erläuterungen „Der Hohe Dom zu Cöllen“), suchte ich lange nach einer anderen geeigneten Vorlage. Ich fand sie schließlich in Form einer Kapelle auf einem Kalender mit Fotos vom Jakobsweg in Spanien. Dieses Motiv fand auch die Zustimmung der Schule und wurde umgesetzt.

Ich habe acht verschiedene Muster gewählt – darunter ein selbst entworfenes – und vier verschiedene Garne: Vierfachgarn Stärke 16, Sticktwist einfädig, französisches Nähmaschinen-Stickgarn und Stickseide. Insgesamt habe ich etwa 150 Std. daran gearbeitet.

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